Issaan.de - Der schöne Nordosten Thailands
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Die verlorene Welt im Isaan

Der Nordosten Thailands ist als Isaan bekannt. Der Isaan ist die größte der 5 Regionen Thailands und umfasst 17 Provinzen. Geographisch gesehen ist der Isaan ein von Bergketten im Norden, vom Mekong im Osten und von Kambodscha im Süden begrenztes Hochplateau. Hier herrscht Festlandsklima, das heißt, hier sind die Sommer besonders heiß und trocken und in der kalten Jahreszeit kann es manchmal empfindlich kühl werden. Die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt und galt lange Zeit als das von der Regierung vernachlässigte Armenhaus Thailands. In letzter Zeit gewinnt der Isaan aber an Bedeutung als Durchgangstor zu den unter kommunistischer Herrschaft lange verschlossenen Nachbarländern Laos, Kambodscha und Vietnam. Die Regierung Thaksin Shinawatra hat dem in den letzten Jahren Rechnung getragen und die Infrastruktur und vor allem das Straßennetz stark ausgebaut.

Obwohl die Region verkehrsmäßig günstig zu erreichen ist, von freundlichen, vom Tourismus noch wenig beleckten Menschen bewohnt wird, und eine ganze Reihe landschaftlicher Reize sowie wunderschöne Naturparks aufweist, wird der Isaan von Touristen wenig besucht. Besonders reich ist der Isaan auch an historischen Sehenswürdigkeiten, wie eine Vielzahl von Tempelruinen aus der Khmerzeit. Die Khmer beherrschten vom 9. bis 15. Jahrhundert weite Teile Südostasiens bis auf die malaiische Halbinsel und bis an die Grenzen Burmas. Das Reich zerfiel durch Jahrhunderte langsam, aber stetig. Die Kambodschanischen Gottkönige gaben um 1500 unter dem Druck der Thai ihre Hauptstadt Angkor auf und wählten Phnom Penh im geographischen Herzen des Landes als neue Hauptstadt.

Als die Christen in Europa sich Kathedralen bauten, stampfte die Khmer-Dynastie um 12. und 13. Jahrhundert für ihre Götter einen Tempel nach dem anderen aus dem Dschungel. Beginnend im Nordosten Thailands, dem Isaan, bis hin nach Angkor Wat, löst eine wuchtige Tempelruine aus der glorreichen Khmer-Epoche die nächste ab. Während Angkor Wat heute von Besucherströmen überlaufen wird, so dass man für den Erhalt der bröckelnden Gemäuer fürchten muss, hält sich bei den vielen Ruinen auf Thai-Gebiet der Touristenstrom in Grenzen, zumindest verglichen mit dem, was Angkor zu bieten hat.

Die heute noch im Isaan vorzufindenden Ruinen ergeben einen imposanten Eindruck von der Größe und mysteriösen Macht des vor Tausend Jahren hier herrschenden Khmer-Imperiums. Sie verbinden Thailand mit einer glorreichen Vergangenheit, geben einen Eindruck vom Stand der religiösen Entwicklung zu dieser längst vergangenen Zeit und erklären auch den Einfluss den die Khmerkultur auf diese Region hatte. Nirgendwo in Thailand ist die Macht, die die Khmer-Könige einst hatten mehr sichtbar, als in den Provinzen Nakhon Ratchasima, Surin, Buri Ram, Sisaket und Ubon Ratchathani.

Jedermann hat schon von Angkor Wat gehört oder gelesen, der riesigen Tempelruine in Kambodscha, die erst Anfang des letzten Jahrhunderts von französischen Archäologen entdeckt und in jahrzehntelanger Arbeit freigelegt wurde. Im Wat Phra Kaeo, neben dem Königspalast in Bangkok, dem Aufbewahrungsort des thailändischen Nationalheiligtums, des Smaragd-Buddha, steht ein großes Model dieser weltberühmten Tempelanlage und viele Touristen fliegen von Bangkok nach Phnom Penh in Kambodscha, um von dort eine anstrengende Busreise zur Besichtigung von Angkor-Wat zu unternehmen.

Weniger bekannt ist hingegen, dass es auch im Isaan, vor allem im Grenzgebiet zu Kambodscha, eine ganze Reihe sehenswerter Khmerruinen gibt aus der Zeit, als das Großreich der Khmer zu Beginn des letzten Jahrtausend weit über die Grenzen des heutigen Kambodscha hinausreichte und weite Teile des heutigen Laos und Thailands umfasste. Wie Perlen an einer Kette reihten sich vor tausend Jahren Tempel an der alten Handelsstraße auf, die von Phimai, einem wichtigen Außenposten des Khmerreiches, in der Nähe des heutigen Nakhon Ratchasima gelegen, bis zum Sitz der kambodschanischen Gottkönige in Angkor Wat führte. Die Ruinen dieser alten Tempel werden allgemein Prasat genannt.

Die brahmanischen Herrscher Kambodschas hatten, wie die Pharaonen, unter Einsatz von riesigen Sklavenherden ihre Macht durch prächtige sakrale Monumente verewigen wollen. Mit dem Untergang des Brahmanismus und dem Vordringen des Buddhismus, wie auch mit dem Niedergang der Macht der kampudscheanischen Gottkönige, wurden die Monumente dieser Kultur von den Menschen verlassen und schnell vom gefräßigen Dschungel so überwuchert, dass sie bald in Vergessenheit gerieten. Die Eingeborenen, die noch von diesen Ruinen wussten, fürchteten sich vor den dort hausenden Geistern und hüteten sich in ihre Nähe zu kommen. Ohne Verständnis für die Mythologie der Khmer blieben ihre Monumente für die Thais nur rätselhafte Trümmer. Erst als sich in der französischen Kolonialzeit europäische Archäologen für diese alten Kulturzeugnisse zu interessieren begannen, wurden die Ruinen langsam der Vergessenheit entrissen.

Die Baumeister dieser Tempelanlagen verwendeten zwei Natursteinarten: Sandstein und Laterit. Laterit ist ein verkittetes Geröll und verwittert leicht; also verwendete man es möglichst nur für das massive Mauerwerk der Umrandungsmauern und die Verkleidung der Böden. Zur Wandverkleidung und für alle Bauelemente, die einen bildhauerischen Schmuck erhalten sollten verwendete man Sandstein.

Die einst die Tempelmauern schmückenden markanten Kriegerköpfe der Khmerzeit, mit scharfgeschnittenen und rätselhaft lächelnden Gesichtern mit breitem Mund, findet man allerdings heute nicht mehr. Nachdem die von den Khmer verlassenen Tempel über viele Jahrhunderte vergessen im Urwald schlummerten, von riesigen Bäumen, Schlingpflanzen und Moos überwuchert und von den Einheimischen, die dort wohnenden Geister fürchteten, abergläubisch gemieden, wurde hier vor allem in den letzten Jahrzehnten, bevor die Thairegierung all diese alten Ruinen unter Schutz stellte, von Altertumsräubern gebuddelt, gesägt, gepickelt und gestohlen. In dem Maße, wie die für die Freilegung der Ruinen von den Archäologen angeheuerten Eingeborenen ihre Scheu vor den Geistern in den Ruinen verloren, begannen sie interessante Skulpturen oder Teile davon, wie Köpfe von Naga-Schlangen, mit denen die Mauern reichlich geschmückt waren, abzuschlagen und an europäische Liebhaber zu verhökern. Wo die Ruinen nicht zu weit von einem Dorf lagen, wurden sie sogar als Steinbruch für den Bau von Häusern und Straßen genutzt.

Erst nach dem letzten Kriege begann die Regierung in Bangkok sich dieses alten Kulturguts auch auf thailändischem Boden bewusst zu werden und erließ Gesetze zum Schutz der Ruinen. Mit Hilfe und vor allem mit den Geldern der UNESCO, begann man damit die Anlagen vollständig freizulegen und so weit wie möglich zu restaurieren.

Die bekannteste und größte dieser Tempelanlagen ist wohl Phrasat Khao Phra Viharn, etwa 150 km südwestlich von Ubon. Die Ruinen liegen direkt an der Grenze, schon auf kambodschanischem Gebiet, können aber nur von thailändischem Boden aus betreten werden, da der Berg auf dem der Tempel erbaut wurde, zur kambodschanischen Seite steil abfällt. Die Felsenburg galt während der Zeit der roten Khmer deshalb auch als uneinnehmbare Festung. Das Gebiet war lange Zeit zwischen Thailand und Kambodscha umstritten, wurde aber 1965 durch einen Internationalen Gerichtshof Kambodscha zugesprochen. Ein kambodschanisches Visum ist für den Besuch dieser Tempel nicht erforderlich, wohl aber eine gute Kondition, um bei glühender Hitze mehrere hundert zum Teil verfallene Stufen zu erklettern um zu den auf der Spitze des Berges liegenden Ruinen zu gelangen. Die Größe der Anlage ist erstaunlich, vor allem wenn man bedenkt, mit welchen technischen Mitteln vor 1000 Jahren die riesigen Steinblöcke herangeschafft und aufeinander getürmt wurden. Die Anlage ist von Thailand erschlossen, aber noch nicht restauriert worden (es ist ja kambodschanisches Staatsgebiet). Täglich unternehmen mehrere tausend Besucher, zumeist Thais, die mühsame Pilgerfahrt, zu der weit ab von bewohnten Gebieten auf dem Berggipfel liegenden Kultstätte. Außer den dort zu besichtigenden Überresten der alten Tempelanlage, hat man von dort oben einen guten Blick weit in das kambodschanische Land. Die kambodschanische Armee hat deshalb dort auch einen Beobachtungsposten und ein paar Unterstände eingerichtet. Die früher beide Seiten der zum Gipfel führenden steilen Pilgerallee säumenden Mauern mit Symbolfiguren, sind heute von Verkaufsständen kambodschanischer Händler ersetzt worden, in denen man, wie auch rund um den großen Parkplatz, außer Andenken auch alles Mögliche zu erstaunlich billigen Preisen erstehen kann.

Ca. 60 Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Nakhon Ratchasima - oder Korat wie es die Eingeborenen nennen - befindet sich Prasat Hin Phimai. Diese gut rekonstruierte Anlage, die etwa um 1100 n. Chr. erbaut wurde, ist ein beeindruckendes religiöses Monument des mächtigen Khmerreiches und eines der schönsten Beispiele der religiösen Khmer Architektur außerhalb von Kambodscha. Lange bevor Korat die mächtigste Stadt des Isaan wurde, war Phimai das regionale Zentrum für Handel und Wirtschaft. Dass es sich um eine blühende Stadt gehandelt hat, ist heute noch am Reichtum der Tempelanlage zu erkennen. Die Anlage ist der Beginn der zur Zeit der mächtigen Khmerkönige erbauten Kette von Tempeln entlang der über 300 km langen Königsstraße, die vom heutigen Korat nach Angkor Wat in Kambodscha führte. Der Tempel gehört zu den besten Beispielen der klassischen Khmer-Baukunst und ähnelt Angkor Wat im heutigen Kambodscha im Stil, wenn auch nicht in der Größe. Der Tempel liegt genau im Zentrum der alten Stadt Phimai, die von einer 650 m breiten und 1000 m langen Mauer umschlossen wurde. Der Hauptschrein ist reichhaltig mit Skulpturen der Hindu-Götter Shiva und Vishnu, sowie Szenen des großen Hindu-Epos Ramayana verziert. Mauern mit vier großen und majestätischen Toren umschließen das fast quadratische eigentliche Tempelgebiet. Das südöstliche Tor war früher mit einer direkten und befestigten Straße über Hunderte von Kilometern mit der Hauptstadt des Khmerkönigreichs und der riesigen Tempelanlage Angkor-Wat im heutigen Kambodscha verbunden.

Eine andere bedeutende Tempelanlage an dieser Strecke ist Phanom Rung, in der Nähe von Prakhon Chai, Provinz Buri Ram. Dieser Khmer-Tempelkomplex wurde zu Ehren des Hindugottes Shiva auf einem 1300 m hoch liegenden erloschenen Vulkankegel errichtet und wird auch manchmal als das Angkor Wat Thailands bezeichnet. Der Tempelkomplex ist wohl das bedeutendste kulturhistorische Bauwerk in Nordost-Thailand. Die Harmonie zwischen dem Tempelkomplex und der umgebenden Landschaft bietet dem Besucher (auch wenn er sich wenig für Archäologie und Geschichte interessiert) Eindrücke, die noch lange nach dem Besuch anhalten und kaum vergessen werden. Ein 200 Meter langer und 12 Meter breiter Prozessionsweg (der exakt auf Angkor Wat in Kambodscha ausgerichtet ist), öffnet den Blick auf eine monumentale Treppe die über fünf Ebenen weiter nach oben zum quadratischen Zentralheiligtum führt. Jede dieser Ebenen auf der langen Treppe bietet einen immer spektakuläreren Ausblick auf das unten liegende Gelände und die umgebende Landschaft. Von ganz oben hat man eine phantastische Aussicht auf die fruchtbaren Felder und die malerische Umgebung.

Die Anlage ist nicht so groß wie Khao Phra Viharn, wer aber die vielen Stufen bis zu den Ruinen erklommen hat, weiß auch dort, dass Khmertempel zwar interessant zu besichtigen sind, dass sie dem europäischen Touristen aber einige Kondition abverlangen. Zum Glück kann man sich auch hier in den vielen um den Parkplatz herum gelegenen kleinen Thai Restaurants bei einer guten Flasche Bier und einem gebratenen Hähnchen von den Strapazen erholen.

Wesentlich leichter fällt die Besichtigung der nur 5 km östlich von Phanom Rung gelegenen Tempelanlage Prasat Mueang Tham. Diese relativ kleine Anlage - manche Forscher meinen, es sei ein ehemaliger Königspalast - liegt zu ebener Erde, neben einem von den Khmer seinerzeit angelegten großen künstlichen See. Der Tempel ist inmitten einer gepflegten Parkanlage vollständig restauriert worden und gibt einen guten Eindruck der damaligen brahmanischen Klosteranlagen. Das etwa 100 x 100 m große Rechteck des Komplexes wird von vier kompakten, fast vollständig rekonstruierten Mauern aus Lateritblöcken umgeben. Der erste Hof wird mit von vier symmetrisch angeordneten Wasserbecken eingerahmt, ihre Stufen und Balustraden enden in Nagaköpfen. Von den im Zentrum der Anlage befindlichen Türmen ist der Hauptturm in der Mitte zerfallen, von den Türmen in den vier Ecken des Quadrats ein Turm ganz verschwunden, die restlichen drei wurden restauriert. Viele Giebelsteine und Türstürze sind Monumenträubern zum Opfer gefallen und verschwunden. Der berühmte Türsturz aus Phanom Rung mit Vishnu-Darstellungen tauchte aber plötzlich 1973 bei einer Kunstausstellung in den USA auf und wurde auf Anforderung des thailändischen Fine Arts Departments 1988 zurückgegeben.

Die Tempelanlage wurde komplett restauriert und ist ein interessantes Beispiel dafür wie Steine gesucht, gefunden und wieder zur Einheit geformt werden. Der Besucher, den dieses archäologische Puzzle fesselt, kann in einem kleinem Museum neben dem Parkplatz die einzelnen Phasen der Restaurierung an Hand von Plänen und Bildern besichtigen

Prasat Tameeang

Wer sich für den Zustand der Tempelruinen interessiert, als sie noch vergessen im Regenwald schlummerten, der sollte die Anlage Prasat Tameeang in der Nähe von Ban Kruat, Provinz Buri Ram besuchen. Diese Tempelanlage ist besonders interessant für Leute, die gerne den ursprünglichen Zustand der Ruinen sehen möchte, und gibt einen Eindruck von dem riesenhaften Puzzlespiel, das eine Restaurierung solch wild durcheinander liegenden Haufen von tonnenschweren Steinblöcken bedeutet. Man hat zwar auch hier vor einigen Jahren mit der Restaurierung angefangen, die Arbeiten aber inzwischen aus Geldmangel wieder eingestellt. Die einst mit dem Geld der UNESCO freigelegten und sorgfältig gestapelten und nummerierten riesigen Steinblöcke, werden jetzt schnell wieder vom Regenwald überwuchert.

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